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Op de Vogelwiesch Mittelalterverein Bordesholm e.V. |
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Wikingerboote auf dem Bordesholmer See gesichtet…eine Zeitreise… Es begab sich im Jahre des Herrn 2010, dass der Bordesholmer Mittelalterverein „Op de Vogelwiesch“ im Herbstmond einen Mittelalterlichen Markt ausrichtete. Allerlei Händler der verschiedensten Epochen aus Nah und Fern boten die unterschiedlichsten Waren feil, Handwerker demonstrierten ihr Können und Musik spielte auf zum Tanz, aber auch so mancher Hexe wurde der Prozess gemacht. Doch das Besondere an diesem Markt waren zwei Wikingerboote, die nicht nur wagemutigen Besuchern des Marktes praktischen Anschauungsunterricht in Sachen Fortbewegung auf dem Wasser im frühen Mittelalter vermittelten, nein es wurden auch Ruderregatten zwischen den beiden Booten ausgetragen. Es wurde hart gekämpft, schließlich ging es um die Wurst und so rann der Schweiß in Strömen von Antlitz der Ruderer, so dass die Mähr umging, dass es sich nicht nur um Wasser handelte, was sich da in der Bilge der Boote sammelte. Furchtsamere Naturen sprachen von Angstschweiß, waren die Boote doch rank und schlank, „kippelig“ wie es einige Besucher auch nannten. Aber erst einmal zu den Booten selbst. Beides sind Nachbauten des kleineren Beibootes des Gokstad-Schiffes, ein Wikingerschiff aus dem späten 9. Jahrhundert. Während die „Sleipnir“ eine Nachbildung darstellt, die mit modernen Herstellungsmethoden im Rahmen einer Maßnahme zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen auf der Laboer Schiffswerft entstanden ist, wurde die „Imme“ nach traditioneller Art, wie vor tausend Jahren gebaut und ist damit ein originalgetreuer Nachbau. Aus einem Eichenstamm mit einem Durchmesser von ca. 1 Meter wurden die Planken radial heraus gespalten und mit einem Dechsel in Form gebracht. So gut wie alle Teile des Bootes bis auf das Rig sind aus Eichenholz gefertigt. Nichts wurde gesägt, alles wurde mit Beil und Dechsel bearbeitet, so wie es früher üblich war. Wer schon mal mit Eichenholz zu tun hatte, weiß was für eine Heidenarbeit das ist. Lediglich für den Mast, die Rah und die Riemen wurde Eschenholz verwendet. Übrigens wurden auch schon beim Original der Haltbarkeit wegen nicht Eisennieten, sondern Kupfernieten eingesetzt. Die Kalfaterung des geklinkerten Bootes wurde mit Birkenpech getränkten Stoffstreifen bewerkstelligt. Die „Imme“ ist darüber hinaus auch mit einem etwa 5 qm großen Rahsegel ausgerüstet, dass bei günstigen Winden für Vortrieb sorgt.Deshalb ist es auch mit einem Ruder versehen. Ansonsten wird das Boot mit Hilfe von zwei paar Riemen fortbewegt. Handarbeit hat seinen Preis und so verwundert es nicht, dass die Herstellung einer solchen Replika damals 50.000,- DM gekostet hat! Betrieben wird das Boot übrigens von der Diakonie in Schleswig.
Doch nun zum erlebten Mittelalter. Das Angebot, mit den beiden Wikingerbooten auf den Bordesholmer See hinaus zu rudern wurde insbesondere von Kindern und Jugendlichen gerne angenommen, was mich persönlich sehr gefreut hat. Es gab sogar Mehrfachtäter dabei, die sogar mehrere Male mit wachsender Begeisterung mitfuhren. Weil wir idyllisch aber etwas Versteckt platziert waren, mussten wir die Besucher gezielt ansprechen. Nachdem wir das gelernt hatten waren die Boote im Dauereinsatz. Das Wikibooteteam mit Max dem Erbauer der „Imme“, Heino unserem Kaptein, Tobias unserer Regattaleitung, Ruby unsere Versorgung mit allem notwendigen an Land und auch ich hatten immer gut zu tun. Eigentlich kamen die meisten Kids recht schnell mit der Rudertechnik zurecht. Dabei fiel mir auf, dass die Mädels besser im Team arbeiten konnten als die Jungs, bei denen immer einer den Ton angeben wollte. Das führte in einem Fall so weit, das sich ein Boot nur noch im Kreis fortbewegte und in den Schilfgürtel zu fahren drohte. Nur durch das beherzte Eingreifen von Heino konnte der Konkurrenzkampf an Bord eingedämmt werden. So Mancher musste erst mal lernen, dass Rudern eben Teamarbeit ist! Nach getaner Arbeit gab es für alle Ruderer natürlich eine oberleckere Wienerwurst von der Fleischerei W. Einfeld & Sohn aus Negenharrie auf die Hand zur Stärkung. Das war wohl auch nötig, denn Niemand lehnte das Angebot ab.
Unvergessen wird mir auch die Erinnerung an die Fahrt mit der „Imme“ bleiben, als die Dämmerung langsam anbrach und ein Dudelsack über den See erschallte. Da wurde die Zeit vor tausend Jahren wieder vor meinen Augen lebendig. Doch der krönende Abschluss der Veranstaltung war für mich die sich anschließende Fackelfahrt der beiden Boote bei Dunkelheit vor der Kulisse der Klosterkirche. Als Kai unser Feuerspucker dann auch noch zusätzlich Flammensäulen gen Himmel auflodern ließ, war die Stimmung perfekt. Nach den strahlenden Gesichtern aller Beteiligten zu urteilen, hat es wohl allen ordentlich Spaß gemacht. See-fahrt wie vor tausend Jahren! Das erlebt nicht jeder! Und so glaube ich wird es für alle ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Mein Dank geht deshalb auch an alle, die das möglich gemacht haben, insbesondere auch für die hervorragende Unterstützung des Bordesholmer Segelvereins, schließlich konnten die beiden Wikingerboote dort gelagert und zu Wasser gelassen werden. Zum Dank hatten die Kinder- bzw. Jugendgruppe des BoSV die Möglichkeit an den beiden Tagen vor dem Markt, selbst einmal mittelalterliche Seemannschaft auszuprobieren. Dieses Angebot wurde ausgiebig genutzt und die „Imme“ war an diesen Tagen sogar unter Segel auf dem Bordesholmer See unterwegs. Ein Rahsegel auf dem See, das hat es wahrscheinlich noch nie gegeben. Thomas
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