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Op de Vogelwiesch Mittelalterverein Bordesholm e.V. |
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Nicht
immer dieselbe Leier |
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ir vingere die
kunden,
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Kölner Handschrift, 14. Jahrhundert |
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"Ihre Finger vermochten, wenn sie damit begann, die Leier zu zupfen und auf der Harfe alle Töne so zu spielen, wie es ihnen gebührte." So beschreibt der hochmittelalterliche Dichter Gottfried von Straßburg um 1200 das betörende Saitenspiel der Isolde, der schönen und begabten späteren Geliebten Tristans, der seinen eigenen Onkel Marke mit ihr betrügen wird. Was macht Isolde genau? Sie spielt auf einer Leier und einer Harfe. Eine Harfe kann sich jeder vorstellen. Aber eine Leier? Wird die überhaupt gezupft? Und nicht gedreht? Zuerst denkt man bei 'Leier' wohl an eine Drehleier. Von denen leitet sich auch die sprichwörtliche Redensart "immer dieselbe Leier" ab. Und tatsächlich sind diese Instrumente für manches Ohr eher nervtötend als betörend. Um es kurz zu machen: Eine Leier ist ein schönes und zudem ein uraltes Instrument. Es gab sie in der Antike, im Mittelalter, in der Neuzeit, wenn auch immer in etwas anderen Formen. Und: Ich habe tatsächlich eine Leier gebaut. Und es hinterher erst gemerkt. Ein Bericht, wie es dazu kam und was das Ergebnis war. Eine Kantele für die Tochter Abgemacht war es schon lange, und deswegen vor allem tauchte ich auch zur frühen Zeit an einem Januar-Wochenende im Werkgebäude unserer Schule auf: In zwei Tagen, so wurde uns gesagt, würden wir ein selbst gebautes Musikinstrument in der Hand haben, auf dem man richtig spielen kann. Sogar handwerklich nicht ganz erfahrene Menschen sollten das hinbekommen. Ich war gespannt. So standen wir, etwa zehn Eltern der Erstklassenschüler, um Herrn Lehmann herum, der uns die Handwerkskünste in groben Zügen erklärte. Ziel war es, eine Kantele zu bauen. Jeder für sein Kind, ich für meine Tochter. Ursprünglich ist die Kantele ein finnisches Volksmusikinstrument, das aus einem Korpus besteht, einem ausgehöhlten Klangkörper aus Holz, über dem nur wenige pentatonisch gestimmte Saiten gespannt werden. Die Saiten werden mit den Fingern gezupft. Wir haben unsere Kantelen in etwas anderer Form gebaut, wie sie an Waldorfschulen für den Musikunterricht gerne benutzt werden: Ein hohler Resonanzkörper mit einem Schallloch wird an einem mehr oder weniger runden Griff (manche wählten auch eckige oder unsymmetrische Formen) gehalten. Die Saiten spannten sich somit teilweise wie bei einer Gitarre über dem Korpus, teilweise sind sie wie bei einer Harfe gewissermaßen in der Luft, zwischen dem Griffbogen und dem Korpus. Gehalten wird das Instrument mit der linken Hand am rechten Bogenende. Der Griff muss dabei natürlich so geformt sein, dass eine Kinderhand ihn gut fassen kann. Andererseits darf er nicht zu dünn sein, schließlich muss er die Spannung von sieben bis zehn Saiten aushalten. An was man alles denken muss, geht es mir durch den Kopf. Mit einem Holzblock fing es an
Dann ging es daran eine Form zu zeichnen, die dem kindlichen und dem eigenen Geschmack entspricht, aber keine Gesetze des Instrumentenbaus verletzt. Zum Glück gab es einige Anschauungsobjekte im Raum, die meiner Vorstellungskraft nachhalfen. Ich wollte nichts ganz Eckiges bauen, aber auch kein vollkommen rundliches Instrument und habe so eine Form gezeichnet, die Eckiges und Rundes harmonisch vereinen sollte. Und letztlich war es dann nicht so schwer, aus einem Holzblock ein schönes Instrument zu bauen, wie ich es anfangs dachte. Erstaunlich. Wie funktionierte das konkret? Man legt sich, wie gesagt, zuerst auf einen Form fest, die man auf den Holzblock überträgt. Dabei muss man darauf achten, dass es einen genügend großen hohlen Resonanzkörper und einen Griffbogen gibt; beide werden aus dem Holzblock herausgeschnitten. Das Holz darf an den Stellen, die später die Zargen darstellen, nicht zu dünn sein. Der Griff sollte ergonomisch, schön und relativ stark für die Saitenbespannung sein. Wir schnitten also die Form und arbeiteten am Griff, den man zuerst mit Sägen in die Form brachte, später aber wie ein Bildhauer mit Holzbeitel, Raspel und Feilen, dann auch mit Schmirgelpapier bearbeitete. Auch Deckel und Boden haben wir vorbereitet: ein Schallloch nach Belieben wurde vorgezeichnet und dann als Laubsägearbeit ins Holz gebracht. Dabei gab es da natürlich Kinderwünsche, auf die man sich gut einlassen konnte, und andere, die schwieriger zu erfüllen waren: Stern, Feuer, Drache, Pferdekopf. Ich entschied mich für einen Mond. Der ist schön. Und vor allem einfach.... Zusammengeleimt wurden Korpus, Deckel und Boden zum Schluss. So konnte man mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Schmirgeln, Schmirgeln, Schmirgeln Am nächsten Tag sah es einfacher aus als am ersten, war aber schwieriger. Der eckig überstehende Boden und der Deckel wurden mit einer Holzfräse der Form des Korpus angepasst. Und dann begann die Arbeit, die mir so bildhauerisch vorkam. Wir klopften, raspelten und schmirgelten stundenlang, bis wir aus dem ursprünglich ja immer noch etwas eckigen Produkt ein mehr oder weniger elegantes Etwas herausgebracht hatten. Das Schmirgeln war dabei eine Arbeit, die die meisten Nicht-Handwerker (wie ich) massiv unterschätzt hatten. Erst schmirgelte ich gelassen, dann merkte ich, wie mir die Zeit weglief, während ich dem gelernten Tischler gegenüber zusehen konnte, wie er mit Schmirgelpapier in vier verschiedenen Körnungen eine erstaunlich glatte Fläche zustande brachte. Viele Stunden später war es dann soweit, dass jeder sagte: Es ist fertig (oder: jetzt erkläre ich es einfach für fertig). Als wir unsere Instrumente ölten, entstand eine fast andächtige Stimmung, vermutlich schwang auch die Erschöpfung nach zweimal neun Stunden Holzarbeit mit. Bei den letzten Schritten hatten wir große Hilfe von Herrn Lehmann und der Musiklehrerin unserer Kinder. Einen Steg hatten wir schon vorproduziert; die letzten Schritte machten die Musikhandwerker dann mehr oder weniger alleine. Es mussten noch Nägel und Schrauben, welche die Saiten am Griff und Ende des Korpus halten, eingebracht werden, und zwar im richtigen Abstand. Dann wurde der Steg unten und der Abstandhalter oben vorsichtig aufgelegt und zum Schluss die Saiten aufgezogen. Fertig war's. Ich war mit dem Ergebnis zufrieden, meine kleine Tochter auch. Seit Anfang Februar lernt sie, auf dieser Kantele zu spielen. Immer dieselbe Leier?
Ich schaute mich danach etwas um und war erstaunt: Die Abbildungen von Leiern, die man aus dem Mittelalter kennt, z.B. aus frühmittelalterlicher Buchmalerein, sehen meiner Kantele nicht nur erstaunlich ähnlich, sie haben auch noch so funktioniert. Einige sind eher wie eine 8 geformt, andere sind etwas eckiger (wie die hier abgebildeten aus dem Vespasian-Psalter, London, British Library, 8. Jh., und aus einem Koblenzer Psalter um 1100). Es sind einfache Zupfinstrumente mit wenigen Saiten, die gerade wegen ihrer Einfachheit wunderbare Stimmungen erzeugen können. König David und seine Musiker machen es uns vor; der Herrscher zupft in der Bildmitte selbst die Leier... Vielleicht probieren es ja noch einige aus. Dann können die Frauen wie Isolde, die Männer wie Tristan spielen und sich (nach einigen Übungen vermutlich) damit gegenseitig erfreuen. Mal abwarten. J. B. Interesse am Leierbaukurs? Bitte kurze Mail an den Verein. |
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