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After
Work Sailing mit der Kieler Hansekogge
Wie
beginnt uns Rüdiger vom BoSV immer seine Erlebnisberichte: "
Was macht der Bordesholmer Segler, wenn ihm der Bordesholmer See
mal wieder unter den Achseln kneift? Er fährt in die große,
weite Welt hinaus, wo er mal so richtig durchatmen kann, ohne
immer gleich die Kühlschranktür vor der Nase zu haben“…
zum Beispiel nach Kiel. After Work Sailing mit der Kieler
Hansekogge auf der Förde. Mit 10,-€ ist man dabei, nicht
viel finde ich für zwei Stunden Segelgenuss. Das Schiff muss
ja schließlich auch unterhalten werden. Fahrten mit der
Hansekogge werden regelmäßig angeboten. Die Termine
kann man aus dem Internet fischen. Mit segeln kann übrigens
jeder der Lust hat, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Wer
will, wird ganz zwanglos mit in die Bordroutine
eingebunden. Nachdem ich ja bereits letztes Jahr das Vergnügen
hatte, mit der Knorr "Sigyn" auf der Schlei zu kreuzen,
war ich schon ganz gespannt, ob das der Kieler Hansekogge auf der
Förde auch gelingt. Die Kogge ist natürlich ein ganz
anderes Kaliber. Viel schiffiger. Die Kieler Hansekogge ist im
Übrigen der originalgetreuste Nachbau von den drei in Fahrt
befindlichen Nachbauten einer Kogge aus dem Jahr 1380 deren Reste
im Weserschlick 1962 bei Bremen gefunden wurden. Das Original kann
man im Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven bewundern. Nachdem
sich alle an Bord eingefunden hatten gab es erst einmal eine kurze
Einweisung. Vor dem Vergnügen hat der liebe Gott jedoch den
Schweiß gesetzt. Denn als erstes galt es die schwere Rah mit
dem Bratspill zu setzen. Während vier Mannschaftsmitglieder
mit Handspaken bewaffnet sich abmühen Viertelumdrehung um
Viertelumdrehung die Rah in die Höhe zu hieven, müssen
zwei Leute von der Besatzung das Spill zwischendurch sichern,
damit es sich nicht zurückdreht. Harte Arbeit. Endlich ist
die Rah oben und die Freiwilligen außer Puste. Dann hieß
es Leinen los und die Kogge schob sich seitwärts dank des
Schottelantriebes vom Kai weg. Aufgrund der Windverhältnisse
mussten wir leider bis zur Holtenauer Schleuse motoren. Zu allem
Überfluss bekamen wir auch noch einen kräftigen
Regenschauer ab. Anschließend blieb es aber trocken. Zeit
zum segelsetzen. Die Maschine erstarb. Etwa 230 Quadratmeter
Segeltuch, ausgerefft, mit zwei zusätzlichen Bonets blähten
sich im Wind. "Hoch am Wind" nahm die Kogge gemächlich
Fahrt auf in Richtung Heikendorf. Natürlich läuft die
Hansekogge mangels Kiel im Vergleich zu der "Sigyn"
lange nicht so viel Höhe, bei ruhiger See macht sie aber
immerhin etwas Luv. Bei mehr Wind und Wellengang ist das aber
nicht mehr möglich. Dann wird die Abdrift zu groß. Kurz
vor Heikendorf heißt es dann "Klar zur Wende". Wie
bei der "Sigyn" fällt man etwas ab um mehr Fahrt
aufzunehmen und legt dann das Ruder um, bis das Rahsegel back
steht und das Schiff rückwärtsfahrend rumgedrückt
wird. Dann wird das Segel um getrimmt und die Kogge nimmt geruhsam
wieder Fahrt auf. Ist fast so wie rückwärts einparken.
Das Wendemanöver ging verhältnismäßig schnell
von statten. Liegt es am fehlenden Kiel und am Heckruder? Bei der
"Sigyn" hatte ich das länger in Erinnerung.
Vielleicht täusche ich mich auch nur. Erhaben gleitet die
Hansekogge unter Segel an der Skyline von Kiel vorbei Richtung
Hörn. Viel zu schnell vergeht die Zeit. Durch die zunehmende
Landabdeckung wird der Wind immer weniger, so dass das Segel
geborgen werden muss und wir unter Maschine zum Anleger laufen.
Wenn man sich mit den Eigenarten des Wasserstrahlantriebes
vertraut gemacht hat, wird das Anlegen zum Kinderspiel, verrät
mir der Skipper. Kurz vor acht macht die Hansekogge an ihrem
Liegeplatz vor dem Schifffahrtsmuseum fest. Ich kann nur sagen,
dass sich der Törn wirklich gelohnt hat und Appetit auf mehr
macht. Zur Nachahmung auf jeden Fall wärmstens empfohlen.
Thomas
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